ARD-Tatort: Im toten Winkel – ein erschütternd-realistisches Szenarium

Das ist wohl einer der traurigsten Morde in einer “Tatort”-Geschichte, schreibt t-online.de nach der gestrigen Ausstrahlung des ARD Tatorts “im toten Winkel”: Ein alter Mann bringt seine demenzerkrankte Frau um. Er steckt ihr danach ein Blumensträußchen in die Hände, beginnt einen Selbstmord mit Tabletten. Doch er wird gerettet. Bitter sagt er, wie es soweit kam: Wenn man das Leben sich nicht mehr leisten kann und es nichts gibt am Horizont, auf das man sich freuen kann.

Ein realistisches Bild von Verzweiflung und Gewalt im Alltag von Angehörigen, die ihre demenzerkrankten Ehepartner, Väter und Mütter 24 Stunden aufopferungsvoll rund um die Uhr pflegen. Neben der finanziellen Verarmung liegt die Ursache für die Verzweiflung vor allem im Verlust von sozialen Kontakten.

Der Faktencheck nach der Sendung ergibt zwar keinen Aufschluss, wie häufig solche Verzweiflungstaten vorkommen, aber es stimmt, dass ca. 70% der Pflegepatienten in der häuslichen Umgebung versorgt werden und viele Angehörigen hoffnungslos überfordert sind und sich alleingelassen fühlen. Hinzukommt, dass die Qualitätskontrolle von ambulanten Betreuungsdiensten im Gegensatz zu der Aufsicht von stationären Pflegeeinrichtungen vielfach nicht ausreichend ist.

Neben der Forderung nach einer wirksameren Kontrolle ist es genauso wichtig, Initiativen zu stärken, die zur Entlastung von pflegenden Angehörigen beitragen, um eine Dauer-Inanspruchnahme zu unterbrechen. Unsere Stiftung fördert auch in diesem Jahr wieder Projekte, die einen Beitrag dazu leisten: zum Beispiel haben wir den Aufbau von Pflegeentlastungstagen in der Sozialstation St.Peter in Bad Königshofen  gefördert oder die ehrenamtlichen Besuchsdienste der Grünen Damen  und Herren in Ludwigshafen, Leipzig, Dessau und Dortmund, die auf vielfältige Weise Hilfe bringen und Lebensfreude trotz der belastenden Krankheit wecken können.

Dr. Karl Heinz Bierlein