Alle Beiträge von Dr. Karl Heinz Bierlein

Die Vergessenen – Was Sie schon immer über Demenzerkrankte wissen wollten …

Der Moment, an dem es so nicht mehr weitergehen konnte, hat sich oft für Angehörige und Betroffene in Herz und Sinne eingebrannt. “Er wollte einen Geschirrspültab runterschlucken” oder “Sie hat sämtliche Einkäufe über den heißen Herdplatten ausgebreitet.” Schlagartig scheint es vorbei mit der Autonomie. Wer kann helfen? Was geht in dem veränderten Menschen vor? Was sollen Angehörige tun? Kann eine Roboterrobbe das Wohlbefinden steigern? Was meinen Wissenschaftler zu all diesen Fragen?

Hören Sie das künstlerische Feature DIE VERGESSENEN (Buch und Regie: Julian Gerhard)! Hier finden Sie Antworten ( siehe Service und Downloads).

 

Schmerz – bei Menschen mit Demenz

dementiell erkrankte Menschen können Schmerzen oft nicht einem Organ oder einer Krankheit zuordnen. Sie können sich nicht äußern, wo und wann und in welcher Intensität etwas wehtut. Auch ein Bezug zwischen Schmerzen und Aggression ist festgestellt worden. Bisher wurden in der Schmerzforschung dementielle Erkrankungen kaum berücksichtigt. Umso erfreulicher ist es, dass in diesen Tagen an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg eine Forschungsprojekt “Schmerz und Alltagspraxis bei Menschen mit Demenz” für die Dauer von 3 Jahren auf den Weg gebracht worden ist.

Lesen Sie mehr:
Schmerz und Alltagspraxis bei Menschen mit Demenz 7.2.2019
(Auszug aus Zeitschrift Altenpflege, Vincentz-Verlag, 2019/1

5 Warnsignale bei Alzheimer

Kann man eine beginnende Alzheimer-Erkrankung erkennen? Bei folgenden Symptomen sollte besser der Arzt konsultiert werden. Je eher die Diagnose erfolgt, desto besser die Behandlungschance!

  • Sprachprobleme: Die Demenzerkrankten sind häufig sehr schwer zu verstehen. Im Gespräch verlieren sie häufig den Faden. Oft fallen ihnen auch  einfache Worte nicht ein, die sie dann durch unpassende Füllwörter ersetzen.
  • Orientierungsprobleme: In der Fremde fällt es Alzheimerkranken schwer, sich Orientierungspunkte zu merken. Viele haben sogar Probleme in der eigenen Straße nach Hause zu finden. Oft wissen sie nicht, welcher Wochentag gerade ist.
  • Veränderte Persönlichkeit: Viele Betroffene sind oftmals leicht reizbar, streitsüchtig oder misstrauisch. Stimmungsschwankungen folgen, die besonders dann auftreten, wenn der Betroffene ahnt, dass er erkrankt ist.
  • Eingeschränkt urteilsfähig: Fällt eine Person dadurch auf, dass sie selbst im Winter leichte Sommerkleidung trägt oder im Bademantel im Supermarkt herumläuft? Dann könnte eine Alzheimer-Demenz dafür verantwortlich sein.
  • Vergesslichkeit: Namen, Geburtstage oder Termine entfallen Betroffenen immer häufiger. Ihre Schlüssel legen sie an ungewöhnliche Orte …

 

Projekte, die glücklich machen

Mit dem Verlust der Erinnerungen und dem Nachlassen der geistigen und körperlichen Fähigkeiten können dementiell Erkrankte immer weniger am sozialen Leben teilhaben. Die häufige Folge: Dunkelheit und Leere bei den Erkrankten, Hilflosigkeit und Trauer bei den Angehörigen.
Auch wenn es derzeit kaum eine Chance auf Heilung gibt, so ist es doch möglich, allen Beteiligten das Leben mit der Krankheit zu erleichtern. In drei zentralen Förderschwerpunkten unterstützen wir Projekte, die die wichtigsten Bedürfnisse dementiell erkrankter Menschen erfüllen können.

Erinnerungen wecken und den Selbstwert stärken
Unser Förderschwerpunkt “Kultur”

Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, das Gefühl, gebraucht zu werden und Abwechslung im oft tristen Alltag sind für die meisten Betroffenen die beste Medizin. In speziellen Musikkursen, mit Melodien aus ihrer Jugend, finden die Erkrankten beispielsweise den Kontakt zu ihrer eigenen Biografie weiter . Bei tanzpädagogischen Übungen lernen sie, dass noch viel mehr in ihnen steckt, als sie sich selbst zutrauen. In einer Theateraufführung von erkrankten und gesunden Laienspielern wächst das Verständnis füreinander.  Mit Spaß und Ausgelassenheit , mit Emotionen, Staunen und Neugierde bieten viele tolle Projekte aus unserer Förderliste dem Vergessen und der Traurigkeit die Stirn.

Im Schwerpunkt Kultur haben wir in letzter Zeit folgende gemeinnützige Projekte gefördert:
Musisches Cafe für Demenzkranke – Diakonie Düsseldorf
Musik mit Veeh-Harfen – Laubach, AWO Rheinland
Demenzsimulatoren in Düsseldorf und NürnbergClow-Besuch in einer Demenzeinrichtung in Wasserburg/am Inn
Tanzen gegen Demenz – Kneipp-Verein Magdeburg
Besuche in der Kinderoper Köln –  Förderverein Kinderoper
Klangzeit für Bewohnerinnen und Bewohne im HAus am Luise-Kiesselbach-Platz, München
Aufführung des Demenz-Maskenstücks “Auf der Gartenbank” im Allgäu
Sitztanzkurs in Köln
Kulturprojekt Silberfilm – Demenznetz Oldenburg
Dialogtheater Stuttgart: Magic Moments
Eigene Musik persönlich erleben – Diakonie Sozialdienst Thüringen

Erlebnisse fördern und Nähe ermöglichen
Unser Förderschwerpunkt “Soziales Miteinander”

Oft führt die Krankheit zu einer Überforderung im alltäglichen sozialen Miteinander. Viele Erkrankte ziehen sich deshalb zurück. Dabei ist die drohende Isolation eines der größten Übel für die Betroffenen. Mit pädagogisch begleiteten Begegnungsinitiativen, mit Ausflügen an schöne Orte und Unternehmungen von Demenzerkrankten und Kindern schaffen Projekte aus diesem Förderschwerpunkt wertvolle Erlebnisse für Menschen mit einer Demenz. Sie schenken ihnen aber nicht nur ausgelassene und beschwingte Stunden. Sie geben ihnen das Gefühl zurück, ein wichtiger und geschätzter Teil der Gemeinschaft zu sein. Außerdem fördern wir in diesem bereich die Fort- und Weiterbildung von Ehrenamtlichen für den Umgang mit Demenzerkrankten, Aufklärungs- und Informationsveranstaltungen für Angehörige sowie Veröffentlichungen und Ratgeber zum Thema Demenz.

 Im Förderschwerpunkt Soziales Miteinander haben wir im ersten Halbjahr 2020 u.a.  gefördert:
Fortbildung freiwillige Demenzbegleiter Caritas Köln
Demenzgerechte Ernährung – Ariadne e.V. in München
Fortbildung und fachliche Anleitung für Mitarbeitende im Hundebesuchsdienst in Köln, Speyer, Limburg, Hannover
Tiergestützte Kommunikation – Diakonie Michaelshoven, Köln
Kommunikation uns Tierbegleitung, Caritas Wien
Qualifizierung Demenzbegleiter*innen – Ev.Frauenhilfe in Bonn

Die Sinne aktivieren und Rückzugsorte schaffen
Unser Förderschwerpunkt “Lebensräume”

Nicht selten müssen Demenzerkrankte über kurz oder lang in eine Pflegeeinrichtung einziehen. Der Betreuungsaufwand wird mit dem Fortschreiten der Krankheit so groß, dass die Angehörigen diese Arbeit zu Hause kaum noch leisten können. Doch gerade für Demenzerkrankte ist eine solche “Entwurzelung” häufig eine große zusätzliche Belastung. Orientierungslosigkeit, Rastlosigkeit und Verunsicherung sind nicht selten die Folge. Mit Projekten, die auf spezielle Ansprüche Erkrankte an ihre Umgebung eingehen, schaffen die von uns geförderten Initiativen Abhilfe. Speziell gestaltete Räume helfen den Betroffenen, sich zu entspannen und wohl zu fühlen. Gemeinschaftlich angelegte Sinnesgärten sorgen für Beschäftigung und bieten perfekte Voraussetzungen für therapeutische Arbeit.

Im Schwerpunkt Lebensräume haben wir in letzter Zeit gefördert:
Sinnesgarten – Seniorenresidenz Hundsmühlen

Der Demenz-Knigge – ein praktischer Ratgeber

Auffällig sticht auf dem unübersichtlichen Büchermarkt zum Thema Demenz ein Neuerscheinung hervor: Der Demenz-Knigge von Markus Proske. Knigge deshalb, weil er Tipps für einen angemessenen Umgang geben will, der der Persönlichkeit der Erkrankten entspricht. Und darum geht es:

  1. Richtig  kommunizieren, wenn erste Anzeichen von Demenz die Angehörigen beunruhigen
  2. Zum Essen und Trinken animieren können
  3. Ungewöhnliche Verhaltensweisen verstehen lernen
  4. Bei Halluzinationen und Wahnvorstellungen nicht die Ruhe verlieren
  5. Trotz Sprachverlust andere Kommunikationswege finden
  6. In Notsituationen bestehen
  7. Mobilität, Sich Kleiden, Umgang mit ungewöhnlichen Wünschen
  8. Körperpflege und Toilette

Die Kapitel gliedern sich in
Situationbeschreibung
Der Demenz-Knigge-Tipp
Wie Sie am besten reagieren können
Hintergrundwissen

Unser Urteil:

Leicht zu lesen, jede Menge Tipps ohne Besserwisserei, sehr empfehlenswert für den täglichen Umgang mit Demenzerkrankten

Dr. Karl Heinz Bierlein

 

 

 

 

Informationen über die Datenschutzerklärung

Es gelten europaweit die Vorgaben der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Wir möchten Sie über die durch unsere Stiftung durchgeführte Verarbeitung personenbezogener Daten nach Maßgabe dieser Verordnung (vergleiche Artikel 13 und 14 DSGVO) informieren. Sollten Sie Fragen oder Anmerkungen zu dieser Datenschutzerklärung haben, können Sie diese jederzeit richten an: khb@demenzstiftung.de

Hier der Wortlaut der Erklärung:

20180522 Datenschutzerklärung

“Wir beschimpfen die Person und meinen die Krankheit …”

Das Kinder- und Jugendtheater Wuppertal blickt auf eine überwältigende und anrührende Premiere des Ein-Personen-Stücks nach Arno Geiger “Der alte König in seinem Exil” zurück. 70 Minuten hält der Schauspieler Dieter Marenz sein Publikum in Atem. Er lässt als Sohn des dementen Vaters seine Zuschauer teilhaben an dessen Krankheitsverlauf und der eigenen Entwicklung.  Aber auch heitere Momente mit pfiffigen Antworten des Kranken in oft surrealen Momenten bleiben nicht aus, z.B. wenn der Kranke dem Nachrichtensprecher einen Keks anbietet.

Das Stück und der Schauspieler vermitteln  ein zutiefst ehrliches, aber auch respektvolles Bild von einem Demenzerkrankten und seiner Familie.

Die nächste Aufführung findet am 27. April um 19 Uhr in der Färberei Wuppertal statt.

Wenn Sie eine Sondervorstellung anlässlich eines Fachtags oder eines Kongresses wünschen, fragen Sie direkt nach unter:    http://www.kinder-jugendtheater.de

Hier eine Presseartikel:  Der alte König in seinem Exil

Bilder von der Premiere

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Schlüssel zu neuer Demenztherapie

Rund 200 000 Menschen erkranken in Deutschland pro Jahr an Alzheimer. Eine wirksame Therapie gibt es bislang nicht. Bonner Forscher des Universitätsklinikums und des Deutschen Zentrums für Degenerative Erkrankungen (DZNE) haben jetzt ein weiteres Teil ins Erkenntnispuzzle gesetzt: Sie fanden heraus, dass auch Entzündungsprozesse im Gehirn zum Mechanismus der Krankheit gehören.

Lesen Sie mehr:

Schlüssel zu neuer Demenztherapie – Generalanzeiger Bonn vom 28.12.2017

Unser Fachbeiratsmitglied, Herr Dr. Dan Ehninger, Forschungsleiter im DZNE, wird im Januar 2018 in einem Interview die Hintergründe zu dem Forschungsvorhaben erläutern.

Mit Gedächtnislücken fängt alles an …

Jeden Tag erkranken in Deutschland 100 Personen an Demenz. Die Alzheimer-Demenz beginnt schleichend. Barry Reisberg, Direktor der New York University School of Medicine’s Silberstein Aging and Dementia Research Center, hat sieben Stufen der Erkrankung  erforscht:

  • leicht gemindertes Wahrnehmungsvermögen
  • Wahrnehmungs- und  Gedächtnislücken (der Arzt kann noch keine Demenzsymptome feststellen)
  •  Vergessen von Wörtern und Namen
  • Probleme bei Rechenaufgaben, Schwierigkeiten bei komplexen Aufgaben, Vergesslichkeit der eigenen Vergangenheit, Niedergeschlagenheit, sozialer Rückzug
    (jetzt sollte man einen Arzt konsultieren)
  • orientierungslos in Zeit und Raum
  • umfassende Hilfe bei den Aktivitäten des täglichen Lebens nötig, Charakter und Verhalten verändern sich, Misstrauen
  • Kaum mehr Interaktion möglich, Muskel erstarren, schwere Pflegebedürftigkeit

Weitere Informationen unter: So beginnt Demenz

 

Kommunikation fördern – DSD-Wettbewerb für Besuchsdienste der Grünen Damen und Herren

Berlin – 18.9.2017

Anlässlich eines Festakts zum 100.Geburtstag von Brigitte Schröder, Initiatorin der Grünen Damen und Herren, wurden vier Preise an Besuchsdienste durch Staatssekretär Lutz Stroppe und Vorstand Dr. Karl Heinz Bierlein verliehen. Der mit 3.000 Euro dotierte erste Preis ging an die Grünen Damen und Herren am Fritz-Heuner-Heim in Dortmund.
29 Frauen und vier Herren der Ökumenischen Krankenhaus-Hilfe am St.Marien- und St.Annastiftskrankenhaus Ludwigshafen erhielten den zweiten Preis in Höhe von 2.000 Euro. Zwei dritte Preise mit jeweils 1.000 Euro gingen an die Grünen Damen und Herren  der Anhaltischen Diakonissenanstalt Dessau und  des Helios Park Klinikum Leipzig.

Dr. Bierlein in seiner Laudatio: “Die Kommunikation mit Demenzerkrankten zu fördern ist ein zentrales Anliegen unserer Stiftung. Denn Demenzerkrankte sind in besonderem Maße verletzlich in körperlicher, seelischer und sozialer Hinsicht. Falsche, manchmal gut gemeinte Kommunikation vergrößert nicht selten das Leiden der Erkrankten an ihrer Lebenssituation. Wir sind glücklich, dass in den Besuchsdiensten der Grünen Damen und Herren dieser Herausforderung aktiv und phantasievoll begegnet. Die Preisträger zeichnen sich in herausragender Weise durch ein Teilhabe schaffendes, professionell-reflektierendes und an der Menschlichkeit orientiertes Kommunizieren aus.

Lesen Sie mehr zu den Preisträger 2017 Kommunikation fördern  

Hier finden Sie eine umfassende Berichterstattung mit Bildern und Interviews: https://magazin-forum.de/de/node/6566#article

Foto:  Staatssekretär im BMG Lutz Stroppe, Ulrike Haßelbeck, Irene Seiler,
Vorstand Dr. Karl Heinz Bierlein,
Fotonachweis: eKH/G.Stamelos

Fotogalerie

1. Preis fuer “Bestpractice Modelle Kommunikation mit Demenzerkrankten in Besuchsdiensten” geht an das Fritz Heuner Heim in Dortmund – Preistraeger Jens Schneider mit Staatssekretaer Lutz Stroppe (l.) und Stiftungsvorstand Dr. Karl-Heinz Bierlein – Copyright: Michael Brunner 18.09.17
3. Preis Theresia Koppe und Edith Brake aus Dessau – Copyright: Michael Brunner 18.09.17
2. Preis Irene Seiler aus Ludwigshafen mit Staatssekretaer Lutz Stroppe (l.) und Stiftungsvorstand Dr. Karl-Heinz Bierlein – Copyright: Michael Brunner 18.09.17
3.Preistraeger vl. Sonja Deubel, Benjamin Pfeifer, Christiane Kuehn, Anett Schlesinger, Nadine Weizenmann, Lysann Kasprick und Ingrid Neubert mit Staatssekretaer Lutz Stroppe (l.) und Stiftungsvorstand Dr. Karl-Heinz Bierlein – Copyright: Michael Brunner 18.09.17